Zwei Jah­re Batt­VO – was bis­her geschah und die Zukunft bringt

Zum 18. Febru­ar 2026 jähr­te sich der all­ge­mei­ne Gel­tungs­be­ginn der Ver­ord­nung (EU) 2023/1542 über Bat­te­rien und Alt­bat­te­rien (Bat­te­rie­ver­ord­nung – „Batt­VO“) bereits zum zwei­ten Mal. Die Kon­kre­ti­sie­rung zahl­rei­cher Pflich­ten durch die Euro­päi­sche Kom­mis­si­on steht jedoch wei­ter­hin aus. Die­ser Bei­trag ord­net die bis­he­ri­gen Ent­wick­lun­gen der Batt­VO ein und zeigt die kom­men­den Pflich­ten auf.

Was bis­her geschah

  • Inkraft­tre­ten der Batt­VO am 17. August 2023: Die Batterie-Richtlinie 2006/66/EG wur­de zum 18. August 2025 abge­löst (abge­se­hen eini­ger Übergangsvorschriften).
  • Gestaf­fel­ter Gel­tungs­be­ginn ein­zel­ner Pflich­ten: Seit dem 18. Febru­ar 2024 fin­den die ein­zel­nen Vor­schrif­ten und Pflich­ten der Wirt­schafts­ak­teu­re schritt­wei­se Anwen­dung (aus­führ­lich bereits hier).
  • Pflich­ten seit dem 18. August 2024:
    • Anfor­de­run­gen an Leis­tungs­fä­hig­keit und Halt­bar­keit wie­der­auf­lad­ba­rer Industrie‑, LV- und Elek­tro­fahr­zeug­bat­te­rien (Art. 10 BattVO)
    • Sicher­heits­an­for­de­run­gen an sta­tio­nä­re Bat­te­rie­spei­cher­sys­te­me (Art. 12 BattVO)
    • Infor­ma­ti­ons­pflich­ten zu Bat­te­rie­ma­nage­ment­sys­te­men (Art. 14 BattVO)
  • Pflich­ten seit dem 18. August 2025:
    • Regis­trie­rungs­pflicht im Her­stel­ler­re­gis­ter (Art. 55 BattVO)
    • Anfor­de­run­gen der erwei­ter­ten Her­stel­ler­ver­ant­wor­tung (Art. 56 ff. BattVO)
  • Ver­scho­be­ne Lie­fer­ket­ten­sorg­falts­pflich­ten durch Omni­bus IV: Die ursprüng­lich ab dem 18. August 2025 gel­ten­den Anfor­de­run­gen nach Kapi­tel VII Batt­VO wur­den durch die Ver­ord­nung (EU) 2025/1561 („Stop-the-clock“) auf August 2027 verschoben.
  • Offe­ner Gel­tungs­be­ginn wei­te­rer Pflich­ten: Zahl­rei­che wei­te­re Pflich­ten (etwa die Erklä­rung zum CO₂-Fußabdruck oder ver­bind­li­che Rezy­klat­an­tei­le) hän­gen von noch aus­ste­hen­den sekun­dä­ren Rechts­ak­ten der Euro­päi­schen Kom­mis­si­on ab; auf­grund erheb­li­cher Ver­zö­ge­run­gen steht der prak­ti­sche Gel­tungs­be­ginn wesent­li­cher Tei­le der Batt­VO daher wei­ter­hin aus (aus­führ­lich bereits hier).
  • Natio­na­le Kon­kre­ti­sie­rung der Batt­VO: Seit dem 7. Okto­ber 2025 wird die Batt­VO im deut­schen Recht durch das Batterierecht-Durchführungsgesetz („BattDG“) flan­kiert, das das bis­he­ri­ge Bat­te­rie­ge­setz („BattG“) ersetzt; es regelt insbesondere:
    • Buß­geld­vor­schrif­ten (§ 60 BattDG),
    • Zustän­dig­kei­ten natio­na­ler Behör­den (Bun­des­amt für Wirt­schaft und Aus­fuhr­kon­trol­le („BAFA“) für Kapi­tel VII Batt­VO; Umwelt­bun­des­amt („UBA“) für Kapi­tel VIII BattVO)
    • Her­stel­ler­re­gis­trie­rung (§ 5 BattDG iVm. Art. 55 BattVO)

Was die Zukunft bringt

Die Zukunft der Batt­VO wird wei­ter­hin maß­geb­lich durch das stu­fen­wei­se Inkraft­tre­ten wei­te­rer Anfor­de­run­gen sowie die fort­lau­fen­de Kon­kre­ti­sie­rung bestehen­der Vor­ga­ben durch dele­gier­te Rechts­ak­te, Durch­füh­rungs­rechts­ak­te und Leit­li­ni­en der Euro­päi­schen Kom­mis­si­on geprägt sein.

Ein beson­ders rele­van­ter Stich­tag ist dabei der 18. Febru­ar 2027. Zu die­sem Zeit­punkt tre­ten wei­te­re zen­tra­le Pflich­ten der Batt­VO in Kraft:

  • Nach Art. 11 Batt­VO müs­sen Pro­duk­te mit Geräte- oder LV-Batterien künf­tig so gestal­tet sein, dass die Bat­te­rien vom End­nut­zer bezie­hungs­wei­se bei LV-Batterien durch unab­hän­gi­ge Fach­leu­te leicht ent­fern­bar und aus­tausch­bar sind.
  • Eben­falls ab dem 18. Febru­ar 2027 gilt die Pflicht zur Ein­füh­rung eines (digi­ta­len) Bat­te­rie­pas­ses nach Art. 77 Batt­VO. Erfasst wer­den LV-Batterien sowie Indus­trie­bat­te­rien mit einer Kapa­zi­tät von mehr als 2 kWh und Elektrofahrzeugbatterien.

Der durch das Omnibus-IV-Paket ver­scho­be­ne Gel­tungs­be­ginn der Lie­fer­ket­ten­sorg­falts­pflich­ten ist für den 18. August 2027 vorgesehen.

Im Hin­blick auf wei­te­re Pflich­ten ist der Gel­tungs­be­ginn offen. Gegen­wär­tig befin­den sich fünf dele­gier­te Rechts­ak­te bzw. Durch­füh­rungs­rechts­ak­te der Euro­päi­schen Kom­mis­si­on zur Batt­VO in Vor­be­rei­tung, unter anderem: 

  1. CO2-Fußabdruck von Elektrofahrzeugbatterien

Die Pflicht zur Erklä­rung des CO₂-Fußabdrucks nach Art. 7 Abs. 1 Batt­VO soll schritt­wei­se für Elek­tro­fahr­zeug­bat­te­rien, wie­der­auf­lad­ba­re Indus­trie­bat­te­rien mit mehr als 2 kWh sowie LV-Batterien gel­ten. Für Elek­tro­fahr­zeug­bat­te­rien wird sie nicht zum 18. Febru­ar 2025, son­dern zwölf Mona­te nach Erlass eines kon­kre­ti­sie­ren­den Rechts­akts der Euro­päi­schen Kom­mis­si­on gelten.

Der dele­gier­te Rechts­akt zur Metho­dik für Berech­nung und Über­prü­fung des CO₂-Fußabdrucks von E‑Fahrzeugbatterien befin­det sich jedoch wei­ter­hin im Ent­wurfs­sta­di­um. Damit ver­zö­gert sich die Umset­zung einer zen­tra­len Nach­hal­tig­keits­an­for­de­rung der Bat­te­rie­ver­ord­nung weiter.

  1. Kenn­zeich­nung von Bat­te­rien nach Art. 13 Abs. 1–3 BattVO

Nach Art. 13 Abs. 1 bis 3 Batt­VO müs­sen Bat­te­rien künf­tig die all­ge­mei­nen Kennzeichnungs- und Infor­ma­ti­ons­an­for­de­run­gen des Anhangs VI Teil A Batt­VO erfül­len. Hin­zu kom­men beson­de­re Kenn­zeich­nungs­pflich­ten für wie­der­auf­lad­ba­re und nicht wie­der­auf­lad­ba­re Bat­te­rien: Wie­der­auf­lad­ba­re Geräte‑, LV- und Star­ter­bat­te­rien müs­sen Anga­ben zu ihrer Kapa­zi­tät ent­hal­ten; nicht wie­der­auf­lad­ba­re Gerä­te­bat­te­rien Infor­ma­tio­nen zur durch­schnitt­li­chen Min­dest­be­triebs­dau­er sowie zur feh­len­den Wiederaufladbarkeit.

Die Vor­ga­ben gel­ten frü­hes­tens ab dem 18. August 2026 oder 18 Mona­te nach Inkraft­tre­ten des kon­kre­ti­sie­ren­den Durch­füh­rungs­rechts­akts der Euro­päi­schen Kom­mis­si­on. Ein ent­spre­chen­der Ent­wurf liegt seit dem 15. Dezem­ber 2025 vor, dürf­te aber nicht mehr vor dem 18. August 2026 in Kraft tre­ten. Der Gel­tungs­be­ginn der Kenn­zeich­nungs­an­for­de­run­gen wird sich daher eben­falls vor­aus­sicht­lich verschieben.

  1. Neue Pro­dukt­aus­nah­men von Entfern- und Austauschbarkeit

Nach Art. 11 Abs. 1 Batt­VO müs­sen Bat­te­rien ab dem 18. Febru­ar 2027 grund­sätz­lich so gestal­tet sein, dass sie wäh­rend der Lebens­dau­er des Pro­dukts leicht entfern- und aus­tausch­bar sind. Art. 11 Abs. 2 Batt­VO ent­hält von die­ser Pflicht Aus­nah­men, etwa für bestimm­te Medi­zin­pro­duk­te, bei denen ein Aus­tausch nur durch unab­hän­gi­ge Fach­leu­te erfol­gen muss. Der Aus­nah­men­ka­ta­log soll durch einen dele­gier­ten Rechts­akt der Euro­päi­schen Kom­mis­si­on erwei­tert wer­den. Ein ent­spre­chen­der Ent­wurf liegt seit dem 28. April 2026 vor. Vor­ge­se­hen sind ins­be­son­de­re Aus­nah­men für:

  • trag­ba­re Gerä­te („weara­bles“) wie Smartwatches,
  • elek­tri­sche Spiel­zeu­ge (befris­tet bis zum 31. Juli 2030),
  • kabel­lo­se Tem­pe­ra­tur­füh­ler mit Lebensmittelkontakt,
  • Pro­duk­te im Anwen­dungs­be­reich der ATEX-Richtlinie 2014/34/EU,
  • am Kör­per getra­ge­ne medi­zi­ni­sche Ver­ab­rei­chungs­sys­te­me wie Insulinpumpen,
  • Tele­ma­tik­ge­rä­te land­wirt­schaft­li­cher Maschi­nen und Baumaschinen.

Das ursprüng­lich geplan­te Annah­me­da­tum lag im ers­ten Quar­tal 2026. Der Ent­wurf befin­det sich noch bis zum 26. Mai 2026 in der Pha­se der Öffent­lich­keits­be­tei­li­gung, sodass wei­te­re Ände­run­gen des Aus­nah­me­ka­ta­logs mög­lich bleiben.

  1. Wei­te­re Ent­las­tung im Wege des Omnibusses

Im Rah­men des Omnibus-IV-Pakets ist neben der Ver­schie­bung des Gel­tungs­be­ginns von Kapi­tel VII (Lie­fer­ket­ten­sorg­falts­pflich­ten) auf August 2027 auch eine Erwei­te­rung der Aus­nah­men von den Lie­fer­ket­ten­sorg­falts­pflich­ten geplant. Nach einem Ent­wurf der Euro­päi­schen Kom­mis­si­on vom 21. Mai 2025 (COM 2025/501) sol­len künf­tig auch soge­nann­te Small Mid-Cap Enter­pri­ses (SMCs) von den Sorg­falts­pflich­ten nach Art. 47 Batt­VO aus­ge­nom­men wer­den. Hier­für soll die bis­he­ri­ge Umsatz­schwel­le von 40 Mil­lio­nen Euro auf 150 Mil­lio­nen Euro Net­to­um­satz ange­ho­ben wer­den. Ziel der Kom­mis­si­on ist es, die bis­lang für KMU vor­ge­se­he­nen Ent­las­tun­gen auf wei­te­re mit­tel­stän­di­sche Unter­neh­men auszuweiten.

Hin­zu kommt ein wei­te­rer Omnibus-Vorschlag der Euro­päi­schen Kom­mis­si­on vom 10. Dezem­ber 2025 (COM 2025/982) bezüg­lich der erwei­ter­ten Her­stel­ler­ver­ant­wor­tung. Danach soll die Anwen­dung von Art. 56 Abs. 3 Batt­VO – also der Pflicht uni­ons­an­säs­si­ger Her­stel­ler, bei grenz­über­schrei­ten­dem Ver­trieb einen Bevoll­mäch­tig­ten für die erwei­ter­te Her­stel­ler­ver­ant­wor­tung zu benen­nen – bis zum 1. Janu­ar 2035 aus­ge­setzt wer­den. Ziel ist es, den Ver­wal­tungs­auf­wand ins­be­son­de­re für in meh­re­ren Mit­glied­staa­ten täti­ge Her­stel­ler zu senken.

Für bei­de Ver­ord­nun­gen ist das Gesetz­ge­bungs­ver­fah­ren der­zeit noch nicht abge­schlos­sen. Ob und in wel­cher Form die vor­ge­schla­ge­nen Ent­las­tun­gen kom­men, ist daher noch offen.

Fazit

Auch zwei Jah­re nach ihrem Gel­tungs­be­ginn ist die Batt­VO wei­ter­hin durch ver­zö­ger­te uni­ons­recht­li­che Kon­kre­ti­sie­run­gen und zahl­rei­che künf­tig in Kraft tre­ten­de Pflich­ten geprägt. Für Wirt­schafts­ak­teu­re besteht die Her­aus­for­de­rung daher nicht nur in der Umset­zung der ver­schie­de­nen Anfor­de­run­gen, son­dern bereits in der sys­te­ma­ti­schen Beob­ach­tung und Iden­ti­fi­ka­ti­on rele­van­ter regu­la­to­ri­scher Ent­wick­lun­gen. Unter­neh­men soll­ten einen ent­spre­chen­den Pro­zess für Legal Moni­to­ring / Legal Hori­zon Scan­ning struk­tu­riert im Rah­men ihres nach Art. 49 Batt­VO vor­ge­se­he­nen Pro­duct Com­pli­ance Manage­ment Sys­tems verankern.

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